Die 9 Sinne nach Maria Montessori

Üblicherweise spricht man von 5 Sinnen und wie praktisch es ist, diese beisammen zu haben. Maria Montessori hat die menschlichen Sinne deutlich feiner unterteilt und kommt insgesamt auf 9 unterschiedliche Sinne. Darunter auch überraschende Sinne, von denen die Wenigsten bisher gehört haben dürften. Jeder dieser Sinne lässt sich mit mindestens einem eigenen Montessori-Material fördern. Je besser die Sinne ausgeprägt sind, umso besser lernt es sich auch mit allen Sinnen. Die 9 Montessori-Sinne in alphabetischer Reihenfolge:

Formen- und Figurensinn

Visuelle Unterscheidung von verschiedenen Formen, Figuren und Körpern. Eine außerhalb der Montessori-Pädagogik kaum gebräuchliche Bezeichnung für eine Teilfunktion des Sehsinns. In diesem Sinn inkludier das Sehen und gleichzeitig die Hirnleistung, aus dem Gesehenen Formen zu erkennen. So wird ein Parkplatz z.B. zum Rechteck und eine Kirchturmspitze zum Kegel. Als Materialgrundlage dient z.B. die Geometrische Kommode.

Gehörsinn

Akustische Wahrnehmungen unterscheiden und zuordnen. Handlungen aus Tönen, Sprache und Geräuschen ableiten. Begrenzt sich heute die Geräuschwahrnehmung meist auf das Hören und Zuordnen, war der menschliche Gehörsinn früher viel ausgeprägter und im Alltäglichen überlebensnotwendig. Hat doch der Mensch überlebt, der den Säbelzahntiger als erster gehört hat und flüchtete. Den Gehörsinn fördert Montessori mit den Geräuschdosen.

Geruchssinn

Geschruchsdosen Montessori-Material

Geruchsdosen

Die Riechwahrnehmung oder auch olfaktorischer Sinn genannt umschreibt alle Sinnesaufgaben der Nase. Früher mehr wie heute war es wichtig, bereits mit der Nase zu erkennen, ob ein Lebensmittel noch essbar ist. Gab es doch z.B. im Mittelalter weder Kühlschrank noch ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Da musste man schon seinen ausgeprägten Geruchssinn befragen. Dieser lässt sich super mit den Geruchsdosen trainieren.

 

Geschmackssinn

Die körperliche Fachabteilung für die Sensibilisierung des Geschmacks ist die Kombination aus Zunge, Mund und Nase. Hier wird der Geschmack gebildet. Interessant dabei ist, dass jeder Mensch zwar die Grundgeschmacksrichtungen unterscheiden kann, aber komplexere Geschmäcker, wie Pizza, Nudeln mit Soße oder Salat, von jedem unterschiedlich wahrgenommen und beschrieben werden. Hält man sich zusätzlich die Nase zu, so variiert der Geschmack teils erheblich. Zur Schulung des Geschmackssinns dienen die Geschmacksfläschchen.

Gesichtssinn

Unter diesem Teilsinn des Sehsinns fasst Dr. Maria Montessori das Erkennen von Farben und Dimensionen zusammen. Das Verständnis dafür fördert man z. B. mit den knopflosen, farbigen Zylindern.

Gewichtssinn

Der Wahrnehmung von Gewichten und Gewichtsunterschieden ordnet sie einen eigenen Sinn zu. Tatsächlich kann zwar jeder für sich eine Unterscheidung treffen, ob etwas leicht oder schwer ist. Fügt man dem Experimentaufbau eine Vergleichsaufgabe hinzu, z.B. was ist gleich schwer, oder finde gleichschwere Paare, dann steigt die Herausforderung. Die Barischen Brettchen sind dafür das perfekte Freiarbeitsmaterial.

Stereognostischer Sinn

Geometrische Körper Montessori Msterial

Geo. Körper

Unterscheidung von Körpern und Formen durch Ertasten. Abweichend vom rein augenscheinlichen Erfassen (wie beim Formensinn) repräsentiert der stereognostische Sinn das Erkennen durch tasten und fühlen. Das Muskelgedächtnis und die Oberflächenwahrnehmung arbeiten zusammen und schaffen auch bei geschlossenen Augen ein Bild vom befühlten Körper. Besonders schön erarbeitet sich dieser Sinn mit den Geometrischen Körpern.

Tastsinn

Die taktile Wahrnehmung und Unterscheidung von Oberflächenstrukturen. Das was wir landläufig meinen wenn wir sagen: „fühl mal“. Um eine Oberfläche tatsächlich nur zu fühlen, müsste man die Augen schließen und die Ohren zuhalten. Begrenzen wir die Wahrnehmung rein auf den Tastsinn, so konzentrieren wir uns viel mehr, als wenn uns andere Sinne zu Hilfe kommen. Ein lehrreiches Material sind z.B. die Tasttäfelchen.

Wärmesinn

Was ist kalt und was ist warm oder gar heiß? Temperaturen wahrzunehmen und vor allem zu unterscheiden, ist eine besondere Herausforderung. Vermutlich sah Montessori deshalb das Wärmeempfinden als eigenen Sinn an. Tatsächlich sind es auch eigene Nervenzellen, s.g. Thermorezeptoren, die es dem Menschen ermöglichen, das Badewasser zwischen angenehm und autsch zu unterscheiden. Genial einfach üben Kinder den Wärmesinn mit den Wämeleittäfelchen.

Fazit

Ob 5, 6 oder 9 Sinne: Je geschulter die Sinne sind, umso besser nehmen Kinder sich und ihre Umgebung wahr. So zeigt sich, dass die Montessori-Sinnesmaterialien nicht nur vor dem Säbelzahntiger, kochendem Wasser oder verdorbenem Essen schützen. Vie´lmehr sind die menschlichen Sinne unser bordeigener Werkzeugkasten auf dem Lebensweg durchs Universum.

Dieser Beitrag wurde unter Montessori Pädagogik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.