So funktionieren Montessori-Freiarbeit und Freie Wahl garantiert!

Montessori-Pädagogik: Freiarbeit und Freie Wahl.

Montessori-Pädagogik: Freiarbeit und Freie Wahl.

“Durch freie Aktivität kann das Kind einen Menschen aus sich bilden” – Maria Montessori

Die Freie Wahl fußt auf Montessoris Grundannahme, dass Kinder generell lernen wollen und sie dies (unter geeigneten Voraussetzungen) auch tun und vor allem eigenständig tun können. In der Freiarbeit entscheidet das Kind daher selbst, wann, wo, wie lange/oft, mit wem und womit es sich beschäftigen möchte.

Aber was heißt das nun ganz konkret?

Nicht das Kind soll sich der Umgebung anpassen..

Nicht das Kind soll sich der Umgebung anpassen..

Der Schüler kommt in den Klassenraum. Dieser ist von den Pädagogen so eingerichtet, dass ausreichend Wissensfutter, sprich Arbeitsmaterialien für die Schüler in den Regalen vorhanden sind. Sie sind sorgfältig ausgewählt und übersichtlich geordnet d.h. alle Materialien eines Themas stehen zusammen, z.B. alle Mathematerialien. Außerdem sind diese in strukturierter Abfolge aufeinander aufbauend (von leicht nach schwierig) geordnet. Der Schüler wählt sich ein Material aus und entscheidet, ob er z.B. am Tisch oder auf dem Boden arbeiten möchte. Er entscheidet, ob er alleine oder mit einem anderen Kind an dem Material arbeitet. Ist hierfür die Entscheidung getroffen, arbeitet das Kind so lange mit dem ausgewählten Material, bis es „satt“ ist, d.h. bis es sich einem anderen Material widmen möchte. Dies kann eine einzige Stunde umfassen, es kann aber auch genauso gut sein, dass sich das Kind das Material über Wochen hinweg immer wieder einmal hernimmt und daran arbeitet.

Freiarbeit gewährleistet ein individuelles Arbeiten der Schüler, interessengeleitet und je nach Leistungsstand und Lerntempo. Sie ermöglicht ein passgenaues Lernen und verhindert Unter- wie auch Überforderung der Schüler! Lernstarke Schüler müssen nicht bei ein und derselben (für diese dann langweiligen) Übung verharren, sondern können sich neuen, anspruchsvolleren Aufgaben widmen, während leistungsschwächere Schüler die Möglichkeit haben, in ihrem eigenen Tempo so oft zu üben und wiederholen, bis das Wissen sitzt. Dies verhindert auch, dass diese Schüler schon in den nächsten Aufgabenbereich wechseln, obwohl die Grundlagen hierfür nicht oder nur sehr lückenhaft gesichert sind (s. Wechseln in den Hunderterraum, obwohl der Zahlenraum bis 10 nur sehr unvollständig sitzt). Diese Probleme fallen in Regelschulen dann meist in der zweiten bzw. dritten Klasse auf.

Durch die eigenständige Lerntätigkeit entsteht ein Gefühl für das eigene Lernen, den eigenen Arbeitsrhythmus und für vorhandene Wissenslücken. Dadurch, dass das Kind diese durch das sich selbst Erarbeiten schließen kann, wird ein enormes Maß an Selbstbewusstsein und Leistungsbereitschaft aufgebaut.

 

Welche Voraussetzungen braucht die Freie Wahl der Arbeit?

Damit dieses zielgerichtete Lernen aus Eigeninitiative heraus auch gelingen kann, sind einige Vorbereitungen nötig. Dies betrifft vor allem die vorbereitete Umgebung. Das Lernumfeld muss so gestaltet sein, dass alles gut strukturiert und verlässlich aufgebaut ist. Alle Materialien sind geordnet (nach Sachgebieten, nach Schwierigkeitsgrad sortiert), übersichtlich präsentiert und intakt (vollständig und unbeschädigt). Die einzelnen Materialien (deren Verwendung) werden entweder auf Verlangen des einzelnen Kindes oder z.B. morgens im Stuhlkreis präsentiert. Die Aufgabe der Pädagogen ist eher die eines wachsamen Lernbegleiters: sie beobachten genau und dokumentieren Entwicklungsprozesse der einzelnen Schüler, um dann die Vorbereitete Umgebung den Bedürfnissen entsprechend zu gestalten bzw. anzupassen. Sie sind zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird und ziehen sich zurück, sobald das Kind wieder alleine zurecht kommt. Sie versuchen das Interesse für neue, die aktuelle Entwicklung fördernde Materialien bei den Kindern zu wecken. Kinder, die nicht wissen was oder wo sie anfangen sollen, werden bei der Auswahl unterstützt, d.h. ein zum Kind passendes Material wird ihm angeboten. Hier ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt, sich wieder zurückzuziehen nicht zu verpassen!
Bei Regelübertritten schreiten sie nur ein, wenn diese unter den Kindern nicht konstruktiv geklärt werden können.

 

„Freiheit und Disziplin sind zwei Seiten derselben Medaille“ (Maria Montessori)

Freiheit und Disziplin sind zwei Seiten einer Medaille.

Freiheit und Disziplin sind zwei Seiten einer Medaille.

Entgegen mancher Vorurteile gegenüber der Montessori-Pädagogik, bedeutet Freiheit hier nicht, dass die Kinder sich selbst überlassen werden und „tun und lassen können, was sie wollen“. Sie können alle oben genannten Entscheidungen selbst treffen – mit der Einschränkung, dass sie an etwas arbeiten (Schüler können nicht tagelang auf der Couch in der Leseecke sitzen und nichts tun – was die größte „Angst“ Außenstehender ist. Hier würden die Pädagogen sehr wohl eingreifen und sowohl nach den Gründen, wie auch gemeinsam mit dem Kind – evtl. sogar auch mit den Eltern – nach einer Lösung suchen). Bei der Auswahl des Materials achten die Pädagogen darauf, dass das gewählte Material auch dem Leistungsstand/Entwicklungsstand gerecht wird. Das heißt, wenn ein Kind längere Zeit bei einem Material bleibt, obwohl es dieses absolut beherrscht, werden die Pädagogen auch hier auf Ursachen- und Lösungssuche gehen.

Maria Montessori spricht von relativer Freiheit, nicht von absoluter Freiheit.
Freiheit bedeutet für sie nicht beliebig tun und lassen können, sondern Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für sich selbst, die eigenen Entscheidungen und das eigene Handeln, was mit Selbstkontrolle und Selbstdisziplin einhergeht.
Die eigene Freiheit ist somit durch sich selbst begrenzt, aber auch durch die Gemeinschaft, d.h. die eigene Freiheit endet da, wo die Freiheit des anderen anfängt.
Diese relative Freiheit ist an Normen und Regeln gebunden. Sie bedingt das Einhalten gewisser Gemeinschaftsregeln, die es in der Klasse gibt (z.B. andere Kinder nicht bei der Arbeit stören, nicht laut herumschreien etc.).
Dieser Rahmen gibt dafür aber auch Halt und Geborgenheit und Selbstdisziplin und Sozialkompetenz entstehen.

Allerdings muss der Umgang mit dieser Freiheit geübt werden. Manche Kinder sind hier schlicht überfordert und müssen erst etappenweise herangeführt werden, um von der Freiheit zu profitieren. Dies geschieht durch engen Kontakt mit dem Kind, durch stetige (bindende) Absprachen und immer wieder auch die stückchenweise Ausdehnung des eigenen Freiheitsrahmens – bis das Kind schließlich „freigegeben“ werden kann.

 

Was ist der Vorteil der Freien Arbeit bzw. welchen Nutzen hat sie?

„Die Freiheit der Wahl führt zur Würde des Menschen“ – Maria Montessori

Einen ganz besonders hohen Stellenwert auf dem Weg der Selbsterziehung des Kindes trägt die freie Wahl (der Arbeit). Immer und immer wieder muss sich das Kind von sich aus entschließen (Eigeninitiative), selbst Entscheidungen treffen und sich an selbige binden. Es muss auch einmal Unangenehmes durchhalten (selbst gewählte Arbeiten werden auch zu Ende gebracht). Es wird Fehler machen und nach Lösungen suchen müssen.
Dies unterstützt in hohem Maße die Ausbildung der Persönlichkeit des Kindes. Diese zeichnet sich aus durch:

 

Selbstständigkeit

Selbsttätigkeit führt zu Selbstständigkeit.

Selbsttätigkeit führt zu Selbstständigkeit.

Das Kind bekommt nie vorgefertigte Lösungen und ist „gezwungen“, selbst zu überlegen und nach einer Lösung zu suchen. Dadurch, dass es sich aber der Unterstützung der Lehrkraft (oder auch anderer Schüler) sicher sein kann (im Falle, dass es selbst nicht weiterkommt) entsteht hierdurch auch keine Überforderungssituation. Nach einiger Zeit geht dem Kind problemlösendes Denken in Fleisch und Blut über. Es wird immer öfter selbst Lösungen finden und immer weniger auf Hilfe angewiesen sein. Es wird immer mehr in der Lage sein, sich Wissensgebiete selbst zu erschließen und sich Wissen (nachhaltig) selbstständig anzueignen.

 

Positive Grundstimmung/Lebenseinstellung

Dadurch, dass das Kind immer öfter erfährt, dass es seine Probleme alleine lösen kann (aus eigener Kraft), wird seine Einstellung positiv beeinflusst. Es wird die Welt nicht als etwas Bedrohliches (dem man schutz-/hilflos ausgeliefert ist) empfinden, sondern als etwas, wo man selbst gestaltend wirken und eingreifen kann.

 

Selbstbewusstsein und Selbstannahme

Hierzu zählt vor allem der eigentliche Wortsinn selbst und bewusst. Es ist sich seiner selbst bewusst. Es kennt seine Stärken und weiß, was es alles (schaffen) kann. Aber genauso gut kennt es auch seine Schwächen und Fehler. Dadurch, dass es eben beide Seiten kennt (niemand ist nur schlecht oder nur gut) und auch öfters die Erfahrung gemacht hat, dass man aus eigener Kraft an Schwächen arbeiten kann und diese in Stärken verwandeln, gelingt auch das Annehmen der eigenen Person und Selbstbewusstsein und Selbstwertschätzung entstehen.

„Bereite dein Kind auf den Weg vor, nicht den Weg für dein Kind“

 

Was bedeutet das für die Freie Wahl?

Aus unseren Kindern sollen einmal starke, widerstandsfähige (resiliente), selbstbewusste Persönlichkeiten werden, die ihren Platz in der Gemeinschaft finden. Wer wünscht sich das nicht? Allerdings gehört hierzu eben, dass man ihnen auch ermöglicht, diese Art von Persönlichkeitsentwicklung zu durchlaufen. Das geschieht allerdings nicht, wenn Kinder in Watte gepackt werden und sie sich nie mit Problemen und Unangenehmem auseinandersetzen müssen. Widrigkeiten gehören nun mal zu jedem Leben dazu. Hiervor ist niemand gefeit. Und dann ist es besser, sich von Kindesbeinen an Lösungsstrategien anzueignen und aus der Erfahrung zu wissen, dass sich schon immer irgendwie eine Lösung für fast jedes Problem finden lässt. Wenn nicht alleine, dann eben mit anderen zusammen. Nur so erleben sie, dass sie an ihrer Situation selbst etwas ändern können, dass sie etwas bewirken können. Der Stolz und das gute Gefühl, wenn man gestärkt aus einer Sache hevorgeht, sind einfach unbezahlbare Schätze in der Persönlichkeitsentwicklung, um später im Leben zu bestehen!

„Hilf mir, es selbst zu tun.
Zeig mir, wie es geht.
Tu es nicht für mich,
ich kann und will es allein tun.
Hab Geduld, meine Wege zu begreifen.
Sie sind vielleicht enger,
vielleicht brauche ich mehr Zeit,
weil ich mehrere Versuche machen will.
Mute mir auch Fehler zu,
denn aus ihnen kann ich lernen.“
– Maria Montessori

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